Inhaltsverzeichnis

Der Wille zur Macht.............1

1 Quellen 2

2 Der Ursprung von Allem 4

3 Tiefenpsychologie 8

4 Organisches Leben 10

5 Nietzsche kontra Darwin 12

6 Machtstreben in der Gesellschaft 17

7 Die soziale Rangordnung 20

8 Herdenmensch und Machtmensch 22

9 Die „Herren-Rasse“ 27

10 Eugenik 29

11 Nihilismus und Nationalsozialismus 30

12 Die Liebe 32

13 Kosmologie (Die ewige Wiederkunft) 34

14 Schlussbetrachtung 38

15 Quellenverzeichnis 39





Eine Natur wie Nietzsche hat das heutige Elend um mehr
als eine Generation voraus erleiden müssen,
- was er einsam und unverstanden auszukosten hatte,
das erleiden heute Tausende.

Hermann Hesse, Der Steppenwolf.

Einleitung

Es gibt wohl kaum ein Meisterwerk der Weltliteratur, von dem es so viele inhaltlich verschiedene Versionen gibt, wie Nietzsches „Der Wille zur Macht“, ja es wäre Gegenstand einer Dissertation, sämtliche bisher gedruckten oder digitalisierten Ausgaben vergleichend historisch zu analysieren. Am bekanntesten sind wohl heutzutage die Kritische Studienausgabe (KSA) von Giorgio Colli und Mazzino Montinari [28] oder die Kritische Gesamtausgabe Werke (KGW) [3], die in elektronischer Form im technisch leider unzuverlässigen Archiv „Nietzsche Source“ [12] der „Association HyperNietzsche“ in Frankreich veröffentlicht wurde. Die genannten Ausgaben enthalten allerdings kein Werk mit dem Titel „Der Wille zur Macht“, sondern nur nachgelassene Fragmente in unendlich großer Anzahl. Dabei bleibt es dem Leser überlassen, sich selbst zusammenzustellen, was Nietzsche in seinem geplanten Hauptwerk wohl geschrieben haben könnte.


Man kann wohl mit Fug und Recht dieses unvollendet gebliebene Werk als die „Bibel der Neuzeit“ bezeichnen, denn seine Auswirkung auf die Geistesgeschichte ist sogar heute noch nicht abzusehen. In Folge seiner Geisteskrankheit konnte Nietzsche dieses Werk nicht mehr vollenden, was aber noch schwerer wiegt ist, dass er nicht mehr an der Rezeption und Interpretation seiner Ideen teilnehmen konnte. Zu seinen Lebzeiten war diese leider fast nicht vorhanden. Daher bleibt vieles darin bis heute rätselhaft und deutungsbedürftig. Wir möchten deshalb in aller Bescheidenheit den Versuch einer hermeneutischen Kritik wagen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der jüngsten politischen Strömungen, die durch missverständliche Auslegung seiner Philosophie zu großem Unheil geführt hatten. Das Ziel dieser Arbeit besteht auch in einer Bewertung der Aussagekraft und der logischen Widerspruchsfreiheit in Nietzsches Gedankenwelt. Dabei werden sich überraschende, und wie wir glauben, neue Ergebnisse zeigen.


Folgende Kernfragen sollen gestellt und beantwortet werden:

  1. Worin manifestiert sich der Wille zur Macht?

  2. Warum glaubte Nietzsche irrtümlicherweise, den Darwinismus widerlegen zu können?

  3. Hat Nietzsche die Strömungen des Rassismus, der Eugenik oder des Nationalsozialismus beeinflusst, gar heraufbeschworen oder nur vorausgeahnt?

  4. Was hat Nietzsches Vision des „großen Menschen“ mit der Irrlehre von der Existenz einer „Herrenrasse“ zu tun?

  5. Welchen Sinn kann Nietzsches Lehre von der ewigen Wiederkunft des Gleichen haben?


Quellen

Es wäre nur allzu verständlich, wenn man das Spätwerk von Friedrich Nietzsche als die krankhafte Ausgeburt eines an Syphilis erkrankten Geistes [27] betrachten würde. Das Werk „Der Wille zur Macht“ wurde außerdem posthum, zusammengestückelt aus handschriftlichen Notizen von sicherlich weniger kompetenten Leuten im Jahr 1906 herausgegeben. So wurde etwa besonders die Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche beschuldigt, den Text sogar verfälscht zu haben. Vor allem kann man davon ausgehen, dass Friedrich Nietzsche, hätte er dieses Werk noch im Vollbesitz seiner Genialität selbst redigiert, die Textauswahl und ihre Abfolge völlig anders vorgenommen hätte.

Aber schon 1936 hatte Martin Heidegger [36] klar erkannt, dass es sich beim „Wille zur Macht“ inhaltlich um das Hauptwerk Nietzsches handelt, das alle früheren weit in den Schatten stellt:

Zitat: In dem letzten Jahr (1888) vor dem Zusammenbruch werden die

. . .








Heidegger meint mit „eigentlicher Philosophie“ das Zentrum und die Kulmination im Schaffen dieses großen Denkers, dem es leider nicht mehr erlaubt war, dieses zur Vollendung zu führen. Heidegger, selbst Mitglied im Nietzsche-Archiv in Weimar hat in diesem Text auch die Entstehungsgeschichte des Werkes aus dem Nachlass authentisch und umfassend dargelegt.

Dem vorliegenden Text liegt aus praktischen Gründen hauptsächlich die Fassung eines eBooks [1] zu Grunde. Dabei sind alle Werkszitate in kursiver Schrift und gelber Hintergrundfarbe als solche erkennbar, während sich daran die Analyse in normaler Schrift anschließt. Sie werden ohne Rechtschreibkorrektur so wie sie ursprünglich geschrieben worden sind übernommen. Wenn offensichtliche Bedeutungsfehler (bzw. Lesefehler von Handschriften) in den Originaltexten enthalten sind, wird die Korrektur vom Autor in spitzen Klammern (< >) hinzugefügt. Das Werk besteht aus „nachgelassenen Fragmenten“ [12] und diese wiederum aus durch nummerierten Aphorismen. Die zumeist dreistelligen Ziffern am Anfang der Zitate sind die Nummern der Aphorismen, die allerdings leider von Ausgabe zu Ausgabe variieren und deshalb als Referenz ungeeignet sind.



Der Ursprung von Allem

Das Leben als Ausdruck von Wachstumsformen der Macht

[1]

689.   "Wille zur Macht" und Causalismus. – Psychologisch nachgerechnet, ist der Begriff "Ursache" unser Machtgefühl vom sogenannten Wollen, – unser Begriff "Wirkung" der Aberglaube, daß dies Machtgefühl die Macht selbst sei, welche bewegt ...   Ein Zustand, der ein Geschehen begleitet und schon eine Wirkung des Geschehens ist, wird projicirt als "zureichender Grund" desselben; – das Spannungsverhältniß unsres Machtgefühls (die Lust als Gefühl der Macht), des überwundnen Widerstandes – sind das Illusionen? –   Übersetzen wir den Begriff "Ursache" wieder zurück in die uns einzig bekannte Sphäre, woraus wir ihn genommen haben: so ist uns keine Veränderung vorstellbar, bei der es nicht einen Willen zur Macht giebt. Wir wissen eine Veränderung nicht abzuleiten, wenn nicht ein Übergreifen von Macht über andere Macht statt hat.   Die Mechanik zeigt uns nur Folgen, und noch dazu im Bilde (Bewegung ist eine Bilderrede). Die Gravitation selbst hat keine mechanische Ursache, da sie der Grund erst für mechanische Folgen ist.

Der Wille zur Akkumulation von Kraft ist specifisch für das Phänomen des Lebens, für Ernährung, Zeugung, Vererbung, – für Gesellschaft, Staat, Sitte, Autorität. Sollten wir diesen Willen nicht als bewegende Ursache auch in der Chemie annehmen dürfen? – und in der kosmischen Ordnung?   Nicht bloß Constanz der Energie: sondern Maximal-Ökonomie des Verbrauchs: sodaß das Stärkerwerden-wollen von jedem Kraftcentrum aus die einzige Realität ist, – nicht Selbstbewahrung, sondern Aneignen-, Herr-werden-, Mehr-werden-, Stärker-werden-wollen.   Daß Wissenschaft möglich ist, das soll uns ein Causalitäts-Princip beweisen? "Aus gleichen Ursachen gleiche Wirkungen" – "Ein permanentes Gesetz der Dinge" – "Eine invariable Ordnung"? – Weil Etwas berechenbar ist, ist es deshalb schon nothwendig?

Wenn Etwas so und nicht anders geschieht, so ist darin kein "Princip", kein "Gesetz", keine "Ordnung", sondern es willen <wirken> Kraft-Quanta, deren Wesen darin besteht, auf alle anderen Kraft-Quanta Macht auszuüben.   Können wir ein Streben nach Macht annehmen, ohne eine Lust- und Unlust-Empfindung, d.   h. ohne ein Gefühl von der Steigerung und Verminderung der Macht? Der Mechanismus ist nur eine Zeichensprache für die interne Thatsachen-Welt kämpfender und überwindender Willens-Quanta? Alle Voraussetzungen des Mechanismus, Stoff, Atom, Schwere, Druck und Stoß sind nicht "Thatsachen an sich", sondern Interpretationen mit Hülfe psychischer Fiktionen.   Das Leben als die uns bekannteste Form des Seins ist specifisch ein Wille zur Akkumulation der Kraft –: alle Processe des Lebens haben hier ihren Hebel: Nichts will sich erhalten, Alles soll summirt und akkumulirt werden.   Das Leben, als ein Einzelfall (Hypothese von da aus auf den Gesammtcharakter des Daseins –) strebt nach einem Maximal-Gefühl von Macht; ist essentiell ein Streben nach Mehr von Macht; Streben ist nichts Anderes als Streben nach Macht; das Unterste und Innerste bleibt dieser Wille. (Mechanik ist eine bloße Semiotik der Folgen.)

Nietzsche untersucht das Prinzip der Kausalität („Causalismus“) und stellt die Frage nach der ursprünglichen Ursache, also nach dem Beginn der Kausalkette für alle Vorgänge in der belebten und unbelebten Welt. Er beschränkt sich also nicht auf die Prinzipien des organischen Lebens, sondern stellt die Hypothese auf, dass das Leben nur eine spezielle Erscheinungsform der gesamten Materie ist und dass überall die gleichen Grundgesetze wirksam sind. Als Beginn der Kausalkette definiert er dann den „Willen zur Macht“, was immer das sein mag. Er könnte hier ebenso gut irgend einen anderen Begriff ansetzen, zum Beispiel den Begriff „Wille zum Leben“, „Gott“ oder „Göttliche Allmacht“.



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